Der Säure-Basen-Haushalt - eine völlig unterschätzte Größe für unsere Gesundheit

01.12.2020 14:09

Der Säure-Basen-Haushalt - eine völlig unterschätzte Größe für unsere Gesundheit

Den Begriff "Säure-Basen-Haushalt" oder auch nur "Basen-Haushalt" hat vermutlich jeder schon einmal gehört. Die meisten von uns wissen, dass es hierbei darum geht, dass wir im Normalfall keinen sauren Zustand haben wollen und daher Säuren und Basen im Körper immer in einer gewissen Balance sein sollten.

Doch warum ist das eigentlich so wichtig und wie wirkt sich eine Übersäuerung überhaupt aus? Wie erheblich die Folgen sein können, wenn der Säure-Basen-Haushalt dauerhaft außer Balance gerät und wie Du effektiv einer Übersäuerung vorbeugen kannst - das erklären wir dir in diesem Artikel.

Darum ist ein ausgeglichener Säure-Basen-Haushalt so wichtig

ausgeglichener Säure-Basen-Hausehalt

Die Zellen unseres Körpers wollen über das Blut mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden. Dazu muss das Blut leicht im basischen Bereich sein, um fließen und zirkulieren zu können. Die sauren Stoffwechselendprodukte sollen im Zuge dessen ebenfalls über das Blut abtransportiert werden. Der hierfür erforderliche pH-Wert des Blutes muss zwischen 7,35 und 7,45 liegen - dann kann das Blut optimal fließen und alle seine lebenswichtigen Funktionen erfüllen. Um dies zu regulieren gibt es den Säure-Basen-Haushalt.

Ist man jedoch übersäuert bzw. wenn die Leber nicht mehr alles verstoffwechselt bekommt und wenn Nieren, Darm und Lunge die Säuren und Schadstoffe nicht mehr aus dem Körper raus bekommen, wird bei vielen Menschen die Haut sehr aktiv. Zeichen hierfür kann übermäßiges Schwitzen bis hin zu einer Neurodermitis sein oder auch eine erhöhte Aktivität der Talgdrüsen, was Pickel bzw. Akne zur Folge hat. Eine Übersäuerung macht sich ebenso durch Schuppen auf der Kopfhaut, Schuppenflechte oder Hornhaut an den Füßen bemerkbar. Auf diese Weise unterstützt die Haut den Körper in dem Versuch, die Säuren auszuscheiden.

Für das Blut ist all dies in Ordnung, da hier das Gleichgewicht bestehen bleibt. Für den Betroffenen ist der gesamte Ablauf jedoch weniger angenehm. Das Schwierige ist hierbei, dass der Zusammenhang oft nicht erkannt wird und stattdessen lediglich die Symptome behandelt werden. Cortison-Creme für die Haut, Deo für den Schweiß und Make-Up oder Anti-Pickel-Salbe für die Akne. Dadurch werden die äußeren Erscheinungen dann besser, die eigentliche Ursache bleibt jedoch bestehen.

Der Körper lagert überschüssige Säuren im Bindegewebe ein

Säure Basen Haushalt - Säuren werden eingelagert

Damit das Blut in dem leicht basischen Bereich bleibt, hat unser Körper die Möglichkeit, Säuren zu speichern und zwar im Bindegewebe. Der Körper lagert dort die überschüssigen Säuren ab, was wiederum zu Cellulite und langfristigen Figurproblemen führt, da der Körper aufgrund einer anhaltenden Übersäuerung auch keine Möglichkeit hat, die eingelagerten Säuren wieder loszuwerden. Verständlicherweise, denn das Binden der Säuren in diesem Zwischenspeicher dient schließlich dem Erhalt des Gleichgewichts.

Diese Säuren können über die Jahre dann an unsere Sehnen, Bänder, Gelenke und Faszien gehen - bis hin zu den Nervenbahnen. Da sich dies wie ein Brennen anfühlt, entstand der Begriff Entzündung. So gut wie alles im Körper kann sich entzünden (Mandelentzündung, Magenentzündung usw.) und der gesamte Bewegungsapparat wird angegriffen. Durch eine Übersäuerung verklebt sich auch das Fasziengewebe der Muskulatur, was zu einer Einschränkung der Beweglichkeit, lokalen Schmerzen (Gelenk-, Nacken- oder Rückenschmerzen) und zu schmerzhaften Ausstrahlungen im ganzen Körper führen kann.

Eine akute Azidose, also wenn die Übersäuerung das Absinken des pH-Wertes im Blut unter 7,35 bewirkt, kann zu Thrombose in den Beinen oder noch schlimmer zu einem Schlaganfall und Herzinfarkt führen. Durch den abgesunkenen pH Wert verklumpt das Blut - es kann nicht mehr richtig fließen, was wiederum zu einer lebensbedrohlichen Situation führt. In der Praxis geht einer akuten Azidose immer auch eine ernsthafte Vorerkrankung voraus - für ansonsten gesunde Menschen besteht (dank der vorher beschriebenen Puffersysteme) keine Gefahr einer lebensbedrohlichen Übersäuerung.

Woher kommt die Übersäuerung?

Säure-Basen-Haushalt - woher kommt die Übersäuerung

Bei vielen Menschen ist die Ernährung heutzutage nicht basisch genug: Auf dem Speiseplan stehen auf der einen Seite zu wenig mineralstoffreiche Lebensmittel wie z.B. Broccoli, Spinat, Blumenkohl - auf der anderen Seite werden deutlich zu viel säurebildende Lebensmittel wie Fleisch, Fisch, Wurstwaren, Milchprodukte verzehrt. Wenn jetzt das Bindegewebe als Zwischenspeicher nicht mehr ausreichend unterstützen kann, muss der Körper Mineralstoffe (Calcium, Magnesium) aus den Knochen und Zähnen auslösen, um so den pH-Wert des Blutes wieder in Richtung basisch zu bekommen.

Prüfen wir im Zuge dessen unsere Calcium-Werte beim Arzt, sehen diese sehr wahrscheinlich gut aus - es sind ja genügend Mineralstoffe im Blut vorhanden. Was das Blutbild jedoch nicht zeigt ist, dass diese Mineralstoffe aus den Knochen und Zähnen abgebaut wurden. Handelt es sich hierbei um einen anhaltenden Vorgang, sprechen wir von Osteoporose. Diese wird allgemein als Krankheit angesehen, ohne jedoch den Zusammenhang zu erkennen. Für den Erhalt gesunder Knochen und Zähne sollte man daher nicht nur ausreichend Calcium und Magnesium zu sich nehmen, sondern eben auch auf den Säure-Basen-Haushalt achten.

Ein weiteres Depot, wo der Körper Mineralstoffe gespeichert hat, ist der Haarboden. Viele Athleten aus dem Hochleistungssport haben daher mit Haarausfall zu kämpfen, da sie oft übersäuert sind. Bei Krebspatienten ist das ähnlich, da hier die Krankheit bzw. das Tumorgewebe permanent Säure produzieren. In so einer Situation nutzt der Körper sämtliche verfügbare Depots, um Mineralstoffe auszulösen - Haarboden, Knochen, Zähne und das Körpergewebe selbst.

Auch neutralisierte Säuren können Probleme machen - Stichwort Schlacken

Säure-Basen-Haushalt neutralisierte Säuren - Schlacken

Wie eingangs beschrieben, fungieren Mineralstoffe als Gegenspieler zu den Säuren. Trifft nun ein Mineralstoff auf eine Säure, so entsteht aus der Verbindung ein neutrales Salz. Dieser Vorgang ist für unser Blut sehr wichtig, denn so bleibt es im basischen Bereich. Entstehen von diesem Salz jedoch größere Mengen, so schafft der Körper es nicht mehr, diese Salze in ausreichenden Mengen über Darm, Haut, Lunge und Nieren auszuscheiden. In der Folge kommt es auch hier zu einer Einlagerung dieser Salze - man spricht dabei von Schlacken.

Bestenfalls entsteht gar nicht erst eine Übersäuerung, sodass dieser Neutralisierungs-Vorgang gar nicht erst erforderlich wird. Werden jedoch grundsätzlich zu viele tierische bzw. säurebildende Lebensmittel konsumiert, muss der Körper diese Salze bilden, um sich zu schützen. Darüber hinaus erhöhen sich auch die Harnsäure-Werte. Auch dieses Stoffwechselendprodukt kann der Körper nur in begrenzten Mengen über die Nieren ausscheiden. Lagert der Körper Harnstoff ein, so kann dies langfristig wiederum zu Gicht führen.

Auch das ist es für den Betroffenen keine schöne Folge. Du siehst: Der Körper greift nach allen, ihm zur Verfügung stehenden Mitteln, um einer Übersäuerung entgegen zu wirken und das Blut leicht basisch zu halten. So gesehen ist die Einlagerung von Säuren im Vergleich zu einer Azidose kurzfristig natürlich das "kleinere Übel" - langfristig werden aber die im Übermaß eingelagerten Säuren und Schlacken zu gesundheitlichen Problemen führen - vor allem wenn der bisherige Lebens- und Ernährungsstil beibehalten wird.

Säure-Basen-Haushalt in Balance bringen - das kannst du tun

Säure-Basen-Haushalt - basische Ernährung

Eine Übersäuerung bzw. der Zustand dass allgemein zu viele säurebildende Lebensmittel verzehrt werden, wird sich zum einen nicht sofort bemerkbar machen, zum anderen kann es ganz unterschiedliche Symptome hervorrufen. Wichtig sind jedoch die folgenden zwei Dinge: Zu allererst muss man erkennen, dass die Auswirkungen nicht eine isolierte (für sich alleine stehende) Krankheit sein müssen, sondern eine komplexe Reaktion des Körpers auf eine dauerhafte Übersäuerung sind.

Auf der anderen Seite sollte man darauf achten, dass es gar nicht erst zu einer dauerhaften Übersäuerung kommt. Unsere tägliche Ernährung hat hierbei den größten Einfluss. Indem man darauf achtet, dass die Ernährung möglichst basisch ist und wenige säurebildende Lebensmittel enthält, legt man das Fundament für einen ausgeglichenen Säure-Basen-Haushalt. Basische Lebensmittel sind z.B. voll ausgereiftes Obst, Spinat, Broccoli, Nüsse, Kartoffeln und pflanzliche Öle - kurzum möglichst unverarbeitetes Obst und Gemüse. Säurebildende Lebensmittel sind beispielsweise Fleisch, Fisch, Eier, Milch und Milchprodukte, Getreideprodukte, Zucker, Softdrinks und Alkohol.

Mit einer veganen, also pflanzlichen Ernährung fallen viele säurebildenden Lebensmittel (Fleisch, Fisch, Eier, Milch) bereits automatisch aus dem Speiseplan raus. Das erklärt auch, warum viele Menschen, die mit einer veganen Ernährung starten, sich auf einmal deutliche fitter und vitaler fühlen. Natürlich spielt auch der Lifestyle eine wichtige Rolle für den Säure-Basen-Haushalt. Zu viel negativer Stress beispielsweise sorgt ebenfalls zu einer vermehrten Säurebildung und wirkt sich schädlich auf unsere Gesundheit aus.

Übersäuerung durch intensiven Fitness-Sport!?

Regelmäßige, hochintensive körperliche Belastungen führen ebenfalls zu einer vermehrten Säurebildung im Körper. Darunter zählt neben dem professionellen Hochleistungssport auch das ambitionierte Kraft- und Muskelaufbau-Training. Wer 3-4 mal pro Woche ins Fitness-Studio geht und schwere Gewichte bewegt und dazu noch 1 bis 2 mal pro Woche ein Cardio-Training macht, der ist von der körperlichen Belastung her schon fast dem Niveau wie professionelle Sportler.

In den meisten Fällen stellt diese Belastung jedoch keine Gefahr dar, da sich im Anschluss die Puffersysteme erholen und der Säure-Basen-Haushalt sich wieder normalisiert. Wichtig ist jedoch, dass das intensive Training durch die Ernährung optimale unterstützt wird. Ein grüner Smoothie am Morgen versorgt den Körper mit wertvollen Mineralstoffen und schafft somit einen entsprechenden Ausgleich. Problematisch wird es hingegen, wenn ein hochintensives Training mit einer Ernährung mit überwiegend säurebildenden Lebensmitteln kombiniert wird. Die typische "Oldschool-"-Definitionsphase im Bodybuilding ist so ein Fall: 1 bis 2 intensives Trainingseinheiten am Tag, dazu nur Fleisch, Eier und Whey-Protein-Shakes. Dabei kommt am Ende vielleicht ein optisch beeindruckendes Ergebnis heraus - mit der Vorstellung eines gesunden Körpers hat das aber absolut gar nichts mehr zu tun.

Kurzum: Je mehr Leistung man von seinem Körper abverlangt, desto wichtiger ist die Versorgung mit (basischen) Mineralstoffen. Um hier auf der sicheren Seite zu sein und auch die Knochengesundheit dauerhaft zu gewährleisten, empfiehlt sich die Kombination von Calcium, Magnesium und Zink. Diese Mineralstoffe können dauerhaft eingenommen werden und bringen noch viele weitere Vorteile mit sich, wie z.B. die Optimierung der Muskelfunktion oder die Stärkung des Immunsystems.


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