Lockdown - Ängste fressen Seele: Depression & Burnout

15.03.2021 11:03

Lockdown - Ängste fressen Seele: Depression & Burnout

Noch immer halten die Corona-Maßnahmen an. Gefühlt leben wir derzeit in einem Dauer-Lockdown bzw. in einer Massenquarantäne. Wie auch immer man es nennen möchte, das gesellschaftliche Leben ist seit November 2020 runtergefahren und ein Ende des zweiten Lockdowns ist noch nicht in Sicht. Wie sehen hiervon die Auswirkungen auf uns alle aus - ganz unabhängig von der Ausbreitung des Virus oder dessen Gefährlichkeit?

Für einige fühlt es sich mittlerweile wie bei einem Burnout an. Auch wenn dieser Begriff eher durch berufliche Belastung geprägt ist, stimmen die Symptome oft überein. Ein Gefühl der dauerhaften Erschöpfung, Überforderung und Niedergeschlagenheit und damit auch ein Verlust an Lebensfreude und innerem Antrieb.

Diese Beschwerden treten meist auch bei einer Depression auf. Im Zuge dessen dürfen beide Krankheitsbilder jedoch nicht verwechselt werden, da die Behandlungsformen sehr unterschiedlich sind. Eine Depression geht häufig auch mit mangelndem Selbstwertgefühl, Hoffnungslosigkeit sowie Selbsttötungsgedanken einher. Ursachen einer Depression können wiederum psychosoziale Belastungen sein, sowie traumatische Erlebnisse, aber auch genetische Faktoren.

Was macht der Lockdown mit unseren Kindern?

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Eine derart drastische Einschränkung des Lebens hat es in der modernen Geschichte der Menschheit noch nicht gegeben, daher fehlen auch entsprechende Erfahrungswerte. Die zukünftigen Auswirkungen der Maßnahmen für unsere Kinder können wir derzeit nur erahnen. Eines ist aber klar - der Lockdown und die Maßnahmen werden für die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen nicht von Vorteil sein. Bei vielen Kindern ist spätestens im zweiten mehrmonatigen Lockdown offensichtlich, wie dramatisch die Folgen sind. Während einige Familien die neugewonnene Zeit im ersten Lockdown noch genossen haben, hat sich das Blatt nun für so gut wie alle gewendet.

Wenn die Eltern bei der Arbeit oder im Homeoffice sind und somit kaum Zeit für ihre Kinder haben, sind deren Nachteile unausweichlich. Verhaltensauffälligkeiten, starke Gewichtszunahme (fehlende Bewegung bei gleichzeitig erhöhtem Konsum von Süßigkeiten oder Junk Food), verzögerte Sprachentwicklung, endloser Medienkonsum und kaum Kontakt zu Gleichaltrigen. Ganz zu schweigen von fehlenden Unternehmungen oder Ausflügen.

Für die Kleinsten ist das Leben mit Corona schon ein Stück "Normalität". Dies kann sich positiv und negativ äußern. Sie integrieren Hygiene-Empfehlungen beim Spielen und waschen regelmäßig vernünftig die Hände. Haben die Eltern jedoch große Angst vor dem Virus, kann sich das auch auf die Kinder übertragen, sodass das Thema Hygiene zur Phobie wird: Es wird ständig alles desinfiziert und es entwickelt sich eine regelrechte Angst vor der Welt außerhalb der eigenen vier Wänden.

Ängste fressen Seele auf - Lockdown macht Jugendlichen schwer zu schaffen

Corona Lockdown Depression Burnout Suizid - Jugendliche

Für die Jugendlichen ist der Lockdown ein gravierender Einschnitt in ihr bisheriges Leben. Da Alltagsroutinen fehlen, treten Probleme auf, die es ansonsten kaum gäbe. Wenn Schulen, Sportvereine und Freizeitaktivitäten nicht zugänglich sind, können Freundschaften weniger gepflegt werden, es kommt zu mangelnder körperlicher Betätigung, Probleme mit der Ernährung und einer Verschlechterung des psychischen Wohlbefindens. In einigen Fällen führt dies sogar bis zu Selbstmordversuchen.

Spezialisierte Kliniken, welche Jugendliche bei Bedarf auffangen und betreuen, sind völlig ausgelastet und haben lange Wartelisten. So hat z.B. die Überlastung der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Wiener AKH-Krankenhauses Schlagzeilen gemacht, nachdem deren Leiter, Prof. Paul Plener, an die Öffentlichkeit gegangen ist. Aktuell müsse bei der Aufnahme der Patienten entschieden werden, welche Fälle am schwerwiegendsten sind und nur diese können noch behandelt werden. Weniger schlimme Fälle können aus Überlastungsgründen nicht mehr betreut werden. Daher gibt es auch telefonische Unterstützung von Experten und spezielle Online-Plattformen, wie z.B. "Corona und Du".

Die Angst vor der Zukunft ist bei Jugendlichen ebenfalls sehr präsent. Denn wenn es aktuell schwierig ist, zu lernen, sich weiterzubilden und in Berufspraktika Erfahrungen zu sammeln, wird der Einstieg ins Arbeitsleben alles andere als leicht. Die Folgen für diese Generation können über Jahre hinweg andauern und sind daher zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch gar nicht abzusehen.

Der Corona-Alltag in vielen Familien

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Wie soll das Leben funktionieren, wenn nicht für alles genug Zeit ist, aber an keiner Stelle die Zeit fehlen darf? Zeit für die Kinder, Zeit für den Partner, Zeit für die Arbeit, Zeit für den Haushalt, Zeit für Einkäufe, Zeit für sich, Zeit zum Schlafen. Alles muss erledigt werden und als erstes fällt meist die Zeit für sich selbst, den Partner und den Schlaf weg. Für eine kurze Zeit ist so eine extreme Belastungssituation auch bewältigbar - nicht aber über mehrere Wochen und Monate hinweg.

Wenn Eltern die eigene Arbeit nicht liegen lassen können, gleichzeitig aber auch die Arbeit der Schule und des Kindergartens übernehmen sollen, ist klar, dass das Ganze zum Scheitern verurteilt ist. Wenn es finanziell stimmt, kann man hin und wieder mal etwas zu Essen bestellen, eine Haushaltshilfe beschäftigen und eine Babysitterin kommen lassen. Doch auch das ist keine Lösung für jeden Tag und ist für viele vom Budget her eher eine Ausnahme als der Regelfall.

Auch wenn die Kindergärten und Schulen zum Teil wieder geöffnet sind, stehen viele Eltern unter dem Druck, die Kinder dennoch zu Hause zu betreuen - sei es um das Ansteckungsrisiko möglichst gering zu halten oder eben weil viele Aktivitäten im Freien schlichtweg verboten sind. Kinder können auch zu Hause durch absolut verzweifelte Eltern großen Schaden nehmen. Die Fälle bei den Beratungsstellen reichen von psychischer Instabilität über das Vernachlässigen der Beziehungen bis hin zu häuslicher Gewalt.

Hinzu kommt, dass die Eltern auf die berechtigten Fragen der Kinder, z.B. wann sie endlich wieder mit ihren Freunden spielen dürfen, auch keine richtige Antwort haben. Die Eltern müssen daher gegenüber ihren Kindern eine Zuversicht vorspielen, die sie vielleicht selbst mittlerweile gar nicht mehr haben.

Die Sorgen und Ängste der Berufstätigen

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Aufgrund der anhaltenden Lockdown-Maßnahmen sind viele Angestellte derzeit in Kurzarbeit oder im Homeoffice. Andere Angestellte oder Soloselbstständige z.B. in der Gastronomie oder im künstlerischen Bereich dürfen aufgrund der Corona-Verordnungen aktuell gar nicht arbeiten. Dies kann eine Angst um den Arbeitsplatz und damit Existenzängste auslösen - besonders bei Personen, die stärker zur Wahrnehmung negativer Gefühle neigen. Diese verlieren dann schnell die Motivation und verarbeiten den Stress emotional, unter Umständen bis hin zum Burnout.

Auch das allgemeine Gefühl, nichts an den äußeren Umständen ändern zu können, trägt dazu bei. Umso wichtiger sind daher lösungsorientierte Bewältigungsstrategien gegen den Stress und die negativen gesundheitlichen Auswirkungen. Um z.B. im Homeoffice von der Arbeit abzuschalten, hilft die räumliche Trennung und im Zuge dessen die Erholung. Hierfür bleibt das Arbeitszimmer nach Feierabend geschlossen bzw. wird der umfunktionierte Ess- oder Küchentisch von den Arbeitsutensilien befreit, sodass wieder ein wohnlicher Eindruck entsteht.

Ebenso sollte die berufliche Arbeit nicht mit auf die Couch oder am Abend mit ins Bett genommen werden, sodass das Privatleben und der Beruf nicht unnötig vermischt werden. Während der Arbeit etwas im Haushalt erledigen oder andererseits beim Spielen mit den Kindern nebenbei eine Mail an den Chef beantworten - das ist für keine der beteiligten Seiten wirklich produktiv.

Wie wirkt sich der Lockdown auf Arbeitslose oder sozial schwache Familien aus?

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Durch den Lockdown sind größtenteils auch Verpflegungsangebote, wie die Tafel, Sozial-Cafés und die Schulmensa geschlossen. Gerade die Schulmensa war für Kinder aus sozial schwachen Familien oftmals die einzige warme Mahlzeit am Tag. Während sich "Normalverdiener" viele Produkte einfach bequem im Internet bestellen können, sind Arbeitslose oder sozial schwache Familien auf Sozialkaufhäuser, Tauschveranstaltungen oder auch Flohmärkte angewiesen, um gebrauchte Produkte günstig zu erwerben - das ist aber durch den Lockdown ebenfalls nicht mehr möglich. Gekauft werden müssen Lebensmittel und Produkte des täglichen Bedarfs dennoch, zusätzlich noch FFP2-Masken und Desinfektionsmittel. Für Arbeitslose ist all dies kaum zu bewältigen.

Viele Arbeitslose wollen entgegen der allgemeinen Annahme nicht, dass die Gesellschaft sie finanziell mittragen muss und möchten ihr Einkommen selbst erwirtschaften. Durch die aktuellen Maßnahmen dauert die Arbeitslosigkeit noch länger an und wird künftig die Jobsuche zusätzlich erschweren. Hinzu kommt die verschärfte wirtschaftliche Lage: Es werden aktuelle eher viele Mitarbeiter entlassen statt neu eingestellt.

Nicht nur, dass Arbeitslose durch die soziale Isolation immer mehr vereinsamen - auch das Überbrücken der Pandemie fällt deutlich schwerer als bei finanziell besser gestellten Menschen. In einer großen, gut ausgestatteten Wohnung mit Balkon oder Terrasse, einem Haus mit Garten, einem stets gefüllten Kühlschrank und mit der Möglichkeit, sich immer mal wieder etwas zu gönnen, lässt es sich einfacher aushalten. Für Grundsicherungsempfänger ist nichts davon eine Option und jeder Euro muss gefühlt zweimal umgedreht werden.

Welche Auswirkungen haben die Corona-Maßnahmen auf ältere Menschen?

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Als Ziel des Lockdowns wurde zu Beginn ausgegeben, dass das Gesundheitssystem nicht überlastet werden soll. Zusätzlich sollen durch die Lockdown-Maßnahmen unter anderem auch unsere älteren Mitmenschen geschützt werden, denn der Großteil der Corona-Toten ist über 60 Jahre alt. Man muss jedoch auch berücksichtigen, dass der Lockdown auch für die älteren Menschen ein Problem darstellt. Wenn ältere Menschen z.B. vor dem Betreten eines Geschäftes lang in einer Schlange stehen müssen, erhöht sich zwangsläufig auch die Ansteckungsgefahr.

Hinzu kommt das Gastronomie-Verbot sowie Freizeitangebote für Ältere und Seniorenreisen, welche derzeit ebenso ausfallen bzw. nicht stattfinden dürfen. Auch das starke Einschränken der Besuchsrechte in Alters- und Pflegeheimen tragen zu einer Vereinsamung bei. Auf der einen Seite gibt es viele ältere Menschen, die durch die soziale Isolation die Lust am Leben verlieren und daher gesundheitlich stark abbauen. Auf der anderen Seite äußern immer mehr ältere Menschen den Wunsch, endlich wieder ihre Angehörigen sehen zu können - auch wenn sie sich dabei unter Umständen auch mit Corona infizieren könnten.

Es gibt jedoch auch andere Ansätze, um ältere Menschen zu schützen ohne sie dabei im Übermaß zu isolieren. Die Stadt Tübingen ist hierfür ein sehr gutes Beispiel. Es gibt kostenlose Tests für Mitarbeiter, Insassen und Besucher von Alten- und Pflegeheimen, kostenlose FFP2-Masken und spezielle Einkaufszeiten für Senioren, zusätzlich Taxi-Fahrten zum Preis einer Busfahrkarte. Hier wird versucht, das gesellschaftliche Leben für die Senioren soweit es die Rechtslage zulässt, wieder zu ermöglichen.

Sport & Ernährung

Die Maßnahmen sind erst mal wie sie sind. Und da wir alle nicht Teil der Regierung sind, können wir auch kaum etwas daran ändern. Die Frage ist daher, wie wir persönlich damit umgehen und was wir aus dem machen, was uns zur Verfügung steht. Auch bei schwerwiegenden Themen wie Burnout und Depressionen wird oft übersehen, wie sehr wir dies selbst mit Bewegung, Ernährung und Routinen beeinflussen können.

Wenn ich im Allgemeinen bereits angeschlagen bin, sollte ich nicht noch den halben Tag verschlafen, danach ununterbrochen auf der Couch sitzen, Serien schauen, Fast Food essen und erst weit nach Mitternacht wieder ins Bett gehen. Bewusste Übungen zu Hause, egal ob es Mobility, Yoga oder ein Bodyweight-Training zu Hause ist sowie Bewegung an frischer Luft, können einen großen Unterschied machen.

Ebenso die Ernährung. Wenn dein Körper die Nährstoffe bekommt, die er benötigt, kann er daraus auch neue Energie schöpfen. Zwar bewirken Ernährung und Sport schon viel für das eigene Wohlbefinden, doch wer den Eindruck hat, dass er tatsächlich Anzeichen für ein entsprechendes Krankheitsbild entwickelt, sollte ich unbedingt an eine Person seines Vertrauens wenden und Hilfe vom Experten in Anspruch nehmen.


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